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Hip-Hop mit Typ 1

Mit Sport und Diabetes Typ 1 lassen sich Pokale und Erfahrungen gewinnen

 

Unsere Tochter wollte Tanzen - trotz Diabetes Typ 1 – der war halt mit dabei.
Ergebnis - 3x Gold bei den österreichischen Meisterschaften und 2x Silber beim „World DanceStar Finals“ 2018 in Poreč.
Lesen Sie hier über ihren Weg zum Erfolg und über unsere persönlichen Erfahrungen mit Diabetes Typ 1 & Sport.

Bitte beachten Sie

Eine Anleitung wie Sie den Sport mit Diabetes Typ 1 richtig angehen müssen, werden Sie hier nicht finden. Auch ich habe erst viele Erfahrungsberichte lesen müssen um einschätzen zu können was alles auf mich zukommen kann. So war ich auf vieles Vorbereitet und konnte mich darauf sehr gut einstellen. Überrascht war ich dennoch - wie sehr der Sport den Diabetes Typ 1 positiv beeinflussen kann.

DIE ECKDATEN

Wer sind wir
Betroffener Vater, der Insulin/BE-Koordinator und in diesem Fall auch der Berichterstatter.
Tochter geboren 2007, Diabetes Typ 1 seit August 2013, bewältigt den normalen Dia-Alltag recht selbständig (mit dezenter Unterstützung der Eltern)

 

Die sportliche Disziplin und das Ziel
HipHop-Tanzausbildung auf sehr hohem Niveau und die Teilnahme bei den „World DanceStar Finals“ 2018 in Poreč

 

Die verwendete Technik
Schlauchlospumpe & CGM Sensor

 

Der Weg und die Herausforderung
Den Diabetes Typ 1 von einer komplett neuen Seite kennenzulernen.
Die Blutzuckerwerte richtig zu interpretieren und entsprechend zu handeln.
Den HbA1c auf den bisherigen recht guten Wert zu halten.
Schule, Tanzen, Freizeit und DT1 unter einen Hut zu bringen.

 

VORWORT

Es gibt unterschiedliche Meinungen was die Betreuung des eigenen Kindes mit Diabetes Typ 1 betrifft. Was die einen für richtig und notwendig halten ist für die anderen absolut falsch und unverständlich. Wir sind jenen Weg gegangen den wir für uns als richtig empfunden haben. Obwohl zum Beispiel unsere Tochter in der Volksschule eine wirklich tolle Lehrerin hatte, die vielleicht mehr über Diabetes Typ 1 wusste als manch Betroffener, waren wir bei allen Ausflügen dabei. Natürlich hatten wir das Glück es auch machen zu können. Wie es der Tochter damit ergangen ist erfahren Sie in Kürze in einem anderen Bericht.

UNSERE GESCHICHTE

September 2017 - Eintritt in eine neue Schule und gleichzeitig Beginn einer herausfordernden Tanzausbildung. Ich dachte ein bisschen mehr an Bewegung tut sicherlich gut. Aber was an Diabetesmanagement, Training, Konzentration und körperlicher Anstrengung dahinterstecken würde, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht abschätzen. Das Tanzen entwickelte sich zum Hochleistungssport. Viele werden sich fragen: „Wie machen die das überhaupt? – ist jemand die ganze Zeit dabei? - kann das die Tochter nicht alleine machen?“ „Ja“ ich bin die ganze Zeit dabei und „nein“ die Tochter kann nicht immer mit der Kontrolle und mit Reagieren beschäftigt sein. Warum?

Das hat sich alles erst im Verlauf der Ausbildung herausgestellt. Anfangs war auch alles noch im „normalen“ Bereich. 1 ½ Stunden Training mit erlernen einiger Grundschritte war mit leicht erhöhtem BZ entsprechend zu meistern. Die Tage vergingen und die Wettbewerbe kamen näher. Entsprechend haben sich die Trainingseinheiten auf bis zu 5-6 Stunden an einem Tag erhöht, und aus den Grundschritten wurden bereits komplexe körperlich anspruchsvolle Choreographien. Allein nur mit leicht erhöhtem BZ zu beginnen war da nix mehr.

Es begann beim Frühstück. Wir spritzten bereits nur noch die Hälfte an Insulin. Für eine Wurstsemmel in der Pause wurde auch mal gar nicht mehr gespritzt. Oft mussten noch ein oder zwei Gummibärchen zusätzlich dran glauben. Alles war abhängig von der Intensität der Trainingseinheiten. Die kannten wir vorher aber nicht. Entsprechend sahen anfangs auch die BZ-Werte aus. Da hieß es schnell und rechtzeitig reagieren. Dank CGM hatten wir solche Situationen schnell im Griff.

Nach vielen Trainingseinheit, sowohl beim Tanzen als auch beim Dia-Management, wurde das erste Ziel erreicht. Die Qualifikation in Villach für das Finale in Poreč! Die Freude war enorm - gleich in drei Disziplinen auf Platz eins. Die Qualifikation vor Ort war ein riesen Stress und durch die Aufregungen waren die BZ-Werte natürlich nicht einfach zu handhaben. Aber letztendlich haben wir es ohne extreme Schwankungen geschafft. Auch ich durfte dabei sein - sowohl hinter als auch vor der Bühne. Das sind die schönen Augenblicke - auch mit Typ 1. Und für die Tochter so emotional, dass sie bei der Siegerehrung gleich in einen leichten UZ-gefallen ist. Dafür gab es nach dem Pokal gleich einen Traubenzucker drauf.

Die erzielten Erfolge hatten nun alle für das große Finale beflügelt. Die Choreografien wurden noch einmal verbessert. Der Ehrgeiz wuchs zusehends. Alle wollten auch im Finale gut abschneiden, trotz der nun größeren Konkurrenz. Was soll ich sagen – der Einsatz wurde reichlich belohnt. Zwei Silbermedaillen wurden gewonnen. Meiner Meinung nach gab es mehr Freude über das Erlebte, den Trubel, die vielen Tänzer und Tänzerinnen, die Atmosphäre, die Partys, die Umgebung, das Meer, ein Hotel mit Pool und vor allem über die Gemeinschaft und den vielen neu gewonnenen Freundschaften.

SPEZIELLES ZU DIABETES TYP 1

Die verwendete Technik

Die Insulin-Pumpe selbst ist bei diesem Tanzstil, zumindest bei uns, ein unkompliziertes Gerät. Sie funktioniert, hält am Körper, stört nicht - sie erfüllt ihre Aufgaben ohne Probleme. Natürlich gibt es Unterschiede bei der Wirkungsweise des Insulins, abhängig davon wo sie gesetzt wurde. Aber das ist nicht nur beim Sport so und vermutlich auch bei allen Pumpen-Modellen gleich. Unsere Tochter verwendet sie abwechselnd entweder am Oberarm l/r oder am Bauch l/r. Da es sich in diesem Fall um eine Schlauchlos-Pumpe handelt, brauchen wir auch nicht großartig zu überlegen, wo und wie wir dieses Ding am Körper möglichst störungsfrei unterbringen. Es gibt aber auch SportlerInnen die während dem Sport ihre Schlauch-Pumpe abkoppeln oder wegen einer speziellen Sportart auf eine Pumpe auch mal komplett verzichten müssen und mit dem Pen spritzen.

Der CGM-Sensor ist ein absolut hilfreiches Zusatzgerät. Trotzdem bin ich mir oft nicht sicher ob ich es verfluchen oder hochleben lassen soll. Aber trotzdem, wir würden ihn nicht hergeben wollen. Es ist ein tolles Gerät, beim Sport jedoch haben wir erst lernen müssen die angezeigten Werte auch mal anders zu interpretieren. Und das ist nicht immer einfach. Nicht selten hat das Bauchgefühl, aufgrund der über vierjährigen Dia-Erfahrung, anders entschieden als die Technik es wollte. Das heißt, lieber mal blutig nachmessen als sich stur auf den Sensor zu verlassen. Das hat uns sicherlich vor einigen Unterzuckerungen gerettet. Nicht nur während sondern auch abends nach einem anstrengendem Trainigstag. Über Erfahrungen und diverser Vor- und Nachteile der Pumpen und Sensoren werde ich in unserer Rubrik „Technik“ noch mehr berichten.

Die Tücken der Technik

Nicht immer gibt es Freude über die sonst gute Technik und dann hätte ich es am liebsten gegen die Wand geworfen. Beispiel – Freitag – ist so und so ein heikler Tag. In den letzten beiden Schulstunden hat die Tochter Turnen. Vorher wird brav blutig gemessen - wenn nötig Sport-BE`s genommen – NUR - blöder Weise bewegen sie sich diesmal aber kaum – die Werte steigen und steigen - so kommt sie nun nach Hause - schnell Mittagessen - gleich geht’s zum Training - hoher Wert - großer Hunger - körperliche Anstrengung steht bevor. Es wird gerechnet - gespritzt - gewartet - gegessen - ab zum Training – vorher schnell nochmal blutig gemessen - Werte um die 200 - genau richtig für die Anstrengung - Sensor auch nicht sehr daneben - volle Power beim Tanzen - Werte ständig beobachtet - alles schaut gut aus – plötzlich kommt aber die Tochter und sagt - mir geht es nicht gut! Sensorwerte zeigen 130 ohne Schwankungen - blutig gemessen - 51 !!!! Haben wir was falsch gemacht? Ja und nein. Ich denke, durch schnelles Wechseln zwischen BE - Insulin - Stress und Bewegung ist der Sensor etwas überfordert und zusätzlich hinkt der angezeigte Wert natürlich dem tatsächlichen Blutwert auch noch hinterher. Solche groben Unterschiede sind aber zum Glück eher die Seltenheit.

Welche Sport-BE's wurden genommen?

Hier habe ich doch einiges ausprobiert und es hat etwas länger gebraucht um die halbwegs optimale Mischung zu finden. Übrig geblieben sind: Gummibärchen, Traubenzucker, verschiedene Sorten von Müsliriegeln, Früchte Mus und Äpfel. Traubenzucker, wenn es zu schnell runter ging aber nicht so viel wie normal sondern gemischt mit Gummibärchen. Dadurch stieg der BZ nicht zu schnell an und ging auch nicht wieder schnell runter, sondern blieb halbwegs schwingungsfrei im oberen Bereich. Bei leichtem fallen waren Müsliriegel oder Gummibärchen recht gut, auch hier blieb der BZ eher auf gleichem Niveau. Bei den Äpfeln haben die Granny Smith gewonnen. Bei dieser Sorte schoss der BZ auch nicht so schnell hoch. Statt dem Traubenzucker wird auch mal ein Früchte Mus genommen. Auch hier wurde ein recht guten BZ-verlauf erreicht. Und Abwechslung muss ja auch sein. Ist der Hunger recht groß wird auch eine Wurstsemmel gegessen. Beim Sport sind die BE's aber auch anders zu berechnen als sonst. An längeren Trainingstagen musste für zusätzliche 5-6 BE's oft gar kein Insulin gespritzt werden. Die Basalrate habe ich selten abgedreht. Die liegt tagsüber aber auch bei nur 0,2 Einheiten/Stunde.

Unser Fazit

Sport, auch Hochleistungssport, mit Diabetes Typ1 ist nichts besonders Außergewöhnliches. Auch nicht bei Kindern. Nach einer gewissen Einarbeitungsphase, nicht viel schwieriger zu handhaben als ohne Sport. Die Verwendung eines Sensors erleichtert jedoch enorm den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren da sonst eine häufigere blutige Messung wichtig ist. Abgesehen davon, dass Bewegung grundsätzlich gesund ist, sehe ich noch weitere Vorteile. Man lernt den Umgang mit der Autoimmunerkrankung noch besser kennen - zwangsläufig muss man sich auch mehr damit auseinandersetzen. Man lernt warum sich der Körper in scheinbar gleichen Situationen doch unterschiedlich verhält. Es zeigte uns, dass man mit Diabetes Typ 1 weniger Einschränkungen hat als gedacht. Besonders positiv ist, dass durch den Sport gut die Hälfte an Insulin gebraucht wurde - trotz recht erhöhter Menge an Kohlehydraten. Spaß gemacht hat`s nebenbei auch noch – und wie.

 

Speziellen Dank

An dieser Stelle möchte ich mich beim Tanzstudio VDC recht herzlich bedanken. Für den völlig unkomplizierten Umgang mit dem Diabetes Typ 1 unserer Tochter und das ich ausnahmsweise den Kindern etwas näher sein durfte als normalerweise üblich ist.

 

wie geht es weiter?

Natürlich mit Tanzen!!! Die Ziele werden etwas höher geschraubt, die Tanzrichtung leicht verändert und im sehr erfolgreichen "Tanzverein Pandora" weitergemacht. Zu finden unter Facebook oder Instagram. Diesmal soll, falls es mir gelingt, ein Dokumentarfilm über das Tanzen mit Diabetes Typ 1 erstellt werden. Wir freuen uns alle bereits sehr darauf.

 

Seit September 2018 finden sie uns auch auf Instagram - einfach auf das Logo klicken und laufend unseren Erfahrungsberichten in Bildern und kurzen Videos folgen. Vor allem berichten wir ausführlich über unser neues spannedes Tanzjahr 2018/19

 

Seite zuletzt geändert am 07.09.2018