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Hip-Hop mit Typ 1

 

Es gibt einige bekannte Spitzensportler die zeigen, dass Sport mit Diabetes Typ 1 möglich ist. Aber wie viele Kinder oder Jugendliche kennen Sie, die Hochleistungssport auch mit Diabetes Typ 1 bewältigen möchten?
Wir wollen zeigen, dass es geht und berichten Ihnen hier über die auch für uns neuen Herausforderungen.

Betrachten Sie unser Tun bitte nicht als Anleitung. Wir berichten lediglich über unsere Erfahrungen !!

DIE ECKDATEN

 Wer sind wir
Betroffener Vater, der Insulin/BE-Koordinator und in diesem Fall auch der Berichterstatter.
Tochter geboren 2007,  Diabetes Typ 1 seit August 2013,  bewältigt den normalen Dia-Alltag recht selbständig (mit dezenter Unterstützung der Eltern)

 

 
Die sportliche Disziplin
 
HipHop-Tanzausbildung auf höchstem Niveau im Tanzstudio des Vienna Dance Center

 

 
Die verwendete Technik
Schlauchlospumpe
CGM Sensor

 

 
Das Ziel
Über das Qualifikationsturnier im April 2018 in Villach - zu den „World DanceStar Finals“ im Mai 2018 nach Poreč zu gelangen.

 

 
Der Weg und die Herausforderung
Den Diabetes TYp 1 von einer komplett neuen Seite kennenzulernen.
Die Sensorwerte möglichst richtig zu interpretieren und entsprechend zu handeln.
Den HbA1c auf den bisherigen Werten zu halten und möglichst nicht über 7,0 zu kommen.
Zu bewältigen - ein Trainingstag kann auch mal bis zu 5 Stunden dauern.
Das Einstudieren unterschiedlicher Choreographien.
Schule, Tanzausbildung und DT1 unter einen Hut zu bringen.
 
 VORGESCHICHTE

 

Es gibt unterschiedliche Meinungen was die Betreuung des eigenen Kindes mit Diabetes Typ 1 betrifft. Was die einen für richtig und notwendig halten ist für die anderen absolut falsch und unverständlich. Wir sind jenen Weg gegangen den wir für uns als richtig empfunden haben. Obwohl zum Beispiel unsere Tochter in der Volksschule eine wirklich tolle Lehrerin hatte, die vielleicht mehr über Diabetes Typ 1 wusste als manch Betroffener, waren wir bei allen Ausflügen dabei. Ob es der Tochter unangenehm oder gar peinlich war? Sie wird es demnächst selbst in einem Video erzählen.

Abgesehen von der nun neuen sportlichen Herausforderung, hatten wir bisher mehr oder weniger den gleichen Kampf mit dem Dia auszufechten wie vermutlich alle anderen Betroffenen. Therapieeinstellungen die gestern noch perfekt waren - stimmen heute nicht mehr - morgen schon gar nicht - um Tage später gnadenhalber doch wieder zu passen. Eine Hochschaubahn der Zuckerlaune folgte nicht selten der nächsten. Und wieder einmal, stellt man sich die Frage – „was zum Teufel ist heute anders als gestern?“ Zusätzlich ist mit 11 Jahren der Körper mitten in einer Veränderungsphase.

Nun aber wollen wir es wissen und legen noch eine sportliche Disziplin drauf. Natürlich nicht zu Testzwecken, nein, die Tochter möchte unbedingt eine Tanzausbildung in Hip-Hop machen und natürlich auch an Wettbewerben teilnehmen. Warum nicht ! Wir sind ja nicht gerade Dia-Neulinge und die bisherigen Blutzuckerwerte gehören auch nicht zu den schlechtesten. Aber, was ich nun alles beachten muss und ständig dazulerne ist einerseits herausfordernd auf der anderen Seite aber total spannend. Nun bin ich auch gezwungen, mich mehr mit dem Thema "Sport mit Diabetes Typ 1" zu beschäftigen.

 

Was noch gesagt werden muss

 

Die eineallesumfassende Lösung“ wie man mit Diabetes Typ 1 den Sport optimal bewältig, kann ich Ihnen hier leider nicht anbieten. Auch werden Sie diese nirgendwo anders finden können. Wie sich Über- oder Unterzuckerungen verhindern lassen, oder wie man auf die noch nach Stunden oft seltsamen BZ-Verläufe richtig reagiert, muss jeder für sich individuell herausfinden. Aber zusammengetragene Informationen darüber, werden Sie auf dieser Homepage sicher auch noch finden.

 

DER BEGINN

September 2017 - das Monat der großen Neuerungen. Nach der Volksschule rein in eine neue Schule und auch gleichzeitig der Beginn einer Tanzausbildung. Da unsere Tochter bereits ein Jahr davor den Tanzkurs im selben Tanzstudio besuchte,  fand ich den Wunsch nach einer Tanzausbildung auch recht nett. Ich dachte ein bisschen Bewegung tut gut. Ich kannte zwar die Ambitionen des Tanzstudios, jedes Jahr an Tanzbewerben erfolgreich teilnehmen zu wollen. Auch über die Vielzahl an bereits gewonnenen Pokalen, welche schön geschlichtet im Büro aufgestellt sind, war ich recht erstaunt. Aber was an Diabetesmanagement, Training, Konzentration und körperlicher Anstrengung dahintersteckt, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht abschätzen.

 

An dieser Stelle möchte ich mich kurz auch nochmal beim VDC (Vienna Dance Center) für die tolle Zusammenarbeit bedanken. Es gab absolut keine Schwierigkeiten wegen dem Dia meiner Tochter. Auf die Frage ob es ein Problem sei mit DT1 teilzunehmen, erhielt ich als Antwort nur ein verwundertes „warum?“ In diesem Tanzstudio werden Kinder deswegen nicht ausgeschlossen!! Hier geht es um Tanz, Spaß, Musik und Gemeinschaftsgeist.

 

Viele werden sich nun fragen: „Wie macht ihr das überhaupt? – ist der Vater gar die ganze Zeit dabei? - kann das die Tochter nicht alleine machen?“  „Ja“ ich bin die ganze Zeit dabei und „nein“ die Tochter kann nicht immer mit der Kontrolle und mit Reagieren beschäftigt sein. Aber das hat sich alles erst im Verlauf der Ausbildung herausgestellt. Anfangs war auch alles noch im „normalen“ Bereich. 1 ½ Stunden Training mit erlernen einiger Grundschritte war mit leicht erhöhtem BZ entsprechend zu meistern. Mittlerweile haben sich die Trainingseinheiten auf bis zu 5-6 Stunden an einem Tag erhöht, und aus den Grundschritten wurden bereits komplexe körperlich anspruchsvolle Choreographien.

Allein nur mit leicht erhöhtem BZ zu beginnen ist da nix mehr. Es beginnt beim Frühstück. Wir spritzen bereits nur noch die Hälfte an Insulin für die gleiche Menge an BE. Für eine Wurstsemmel in der Pause wird auch mal gar nicht mehr gespritzt. Im Gegenteil, oft müssen noch ein oder zwei doppelte Gummibärchen dran glauben. Aber das ist alles abhängig von der Intensität der Trainingseinheiten. Und die kennen wir vorher nicht. Anfangs gab es am Sensor öfter 2 Pfeile - mal rauf mal runter. Da heißt es schnell und rechtzeitig darauf reagieren. Mittlerweile, CGM sei Dank, haben wir die extremen Schwankungen nun in den Griff bekommen.

Wie erwähnt, bin ich bei den Proben und beim Training immer anwesend. Wenn ich den Kids so beim Tanzen zusehe, dann juckt es mich auch oft in den Beinen. Da aber das Alter und die körperlichen Voraussetzung leider nicht ganz zu 100 Prozent passen, muss ich meine Ambitionen leider „nur“ auf die Tätigkeit des Dia-Managers reduzieren. Wie so ein Tag, der mal 5-6 Stunden dauern kann für mich aussieht?

Nun, die Tochter hat einen CGM-Sensor welcher die Glucose Werte alle 5 Minuten an einen Empfänger übermittelt. Dieser Empfänger befindet sich direkt vor der Türe zum Tanzsaal. Die Reichweite beträgt 6 Meter – das geht sich gerade aus. Ich selbst habe mir so etwas wie ein Büro noch etwas weiter weg eingerichtet und schaue von Zeit zu Zeit auf die Werte. Mittlerweile haben wir bei der WGKK um ein CGM-Gerät eingereicht welches die Daten direkt auf mein Handy schicken kann. Mal sehen wie lange es dauert und ob es überhaupt bewilligt wird. Bis dahin pendle ich halt zwischen Empfänger und meinem provisorischem Büro hin und her. Dazwischen schreibe ich auf dem Laptop unter anderem diesen Bericht oder sammle nützliche Informationen zum Thema Diabetes Typ 1. Ich bin ja auch zuständig für das Wachsen dieser Homepage und unserem Verein „Diabetes Typ 1 – Erfahrungsaustausch von Betroffenen“

 

Die verwendete Technik

Die Insulin-Pumpe selbst ist bei diesem Tanzstil, zumindest bei uns, ein unkompliziertes Gerät. Sie funktioniert, hält am Körper, stört nicht - sie erfüllt ihre Aufgaben ohne Probleme. Natürlich gibt es Unterschiede bei der Wirkungsweise des Insulins, abhängig davon wo sie gesetzt wurde. Aber das ist nicht nur beim Sport so und vermutlich auch bei allen Pumpen-Modellen gleich. Unsere Tochter verwendet sie abwechselnd entweder am Oberarm l/r oder am Bauch l/r. Da es sich in diesem Fall um eine Schlauchlos-Pumpe handelt, brauchen wir auch nicht großartig zu überlegen, wo und wie wir dieses Ding am Körper möglichst störungsfrei unterbringen. Es gibt aber auch SportlerInnen die während dem Sport ihre Schlauch-Pumpe abkoppeln oder wegen einer speziellen Sportart auf eine Pumpe auch mal komplett verzichten müssen und mit dem Pen spritzen.

Der CGM-Sensor ist ein absolut hilfreiches Zusatzgerät. Trotzdem bin ich mir oft nicht sicher ob ich es verfluchen oder hochleben lassen soll. Aber trotzdem, wir würden ihn nicht hergeben wollen. Es ist ein tolles Gerät, beim Sport jedoch haben wir erst lernen müssen die angezeigten Werte auch mal anders zu interpretieren. Und das ist nicht immer einfach. Nicht selten hat das Bauchgefühl, aufgrund der über vierjährigen Dia-Erfahrung, anders entschieden als die Technik es wollte. Das heißt, lieber mal blutig nachmessen als sich stur auf den Sensor zu verlassen. Das hat uns sicherlich vor einigen Unterzuckerungen gerettet. Nicht nur während sondern auch abends nach einem anstrengendem Trainigstag. Über Erfahrungen und diverser Vor- und Nachteile der Pumpen und Sensoren werde ich in unserer Rubrik „Technik“ noch mehr berichten.

Die Tücken der Technik

Nicht immer gibt es Freude über die sonst gute Technik. Beispiel – Freitag – ist so und so ein heikler Tag. In den letzten beiden Schulstunden hat die Tochter Turnen. Vorher wird brav blutig gemessen - wenn nötig Sport-BE`s genommen – NUR - blöder Weise bewegen sie sich diesmal aber kaum – die Werte steigen und steigen - so kommt sie nun nach Hause - schnell Mittagessen - gleich geht’s zum Training - hoher Wert - großer Hunger - körperliche Anstrengung steht bevor. Es wird gerechnet - gespritzt - gewartet - gegessen - ab zum Training – vorher schnell nochmal blutig gemessen - Werte um die 200 - genau richtig für die Anstrengung - Sensor auch nicht sehr daneben - volle Power beim Tanzen - Werte ständig beobachtet - alles schaut gut aus – plötzlich kommt aber die Tochter und sagt - mir geht es nicht gut! Sensorwerte zeigen 120 ohne Schwankungen - blutig gemessen - 51 !!!! Haben wir was falsch gemacht? Ja und nein. Ich denke, durch schnelles Wechseln zwischen BE - Insulin - Stress und Bewegung ist der Sensor etwas überfordert und zusätzlich hinkt der angezeigte Wert natürlich dem tatsächlichen Blutwert auch noch hinterher. Solche groben Unterschiede sind aber zum Glück eher die Seltenheit.

Welche Sport-BE's werden genommen?

Hier habe ich doch einiges ausprobiert und es hat etwas länger gebraucht um die halbwegs optimale Mischung zu finden. Übrig geblieben sind: Gummibärchen, Traubenzucker, verschiedene Sorten von Müsliriegeln, Früchte Mus und Äpfel. Traubenzucker, wenn es zu schnell runter ging aber nicht so viel wie normal sondern gemischt mit Gummibärchen. Dadurch stieg der BZ nicht zu schnell an und ging auch nicht wieder schnell runter, sondern blieb halbwegs schwingungsfrei im oberen Bereich. Bei leichtem fallen waren Müsliriegel oder Gummibärchen recht gut, auch hier blieb der BZ eher auf gleichem Niveau. Bei den Äpfeln haben die Granny Smith gewonnen. Bei dieser Sorte schoss der BZ auch nicht so schnell hoch. Statt dem Traubenzucker wird auch mal ein Früchte Mus genommen. Auch hier wurde ein recht guten BZ-verlauf erreicht. Und Abwechslung muss ja auch sein. Ist der Hunger recht groß wird auch eine Wurstsemmel gegessen. Beim Sport sind die BE's aber auch anders zu berechnen als sonst. An längeren Trainingstagen musste für zusätzliche 5-6 BE's oft gar kein Insulin gespritzt werden. Die Basalrate habe ich selten abgedreht. Die liegt tagsüber aber auch bei nur 0,2 Einheiten/Stunde.

Zurück zum eigentlichen Ziel

Stufe eins – das Qualifikationsturnier überstehen.

In den Osterferien, eine Woche vor dem Turnier, wird viel trainiert. Jeden Tag, volle Power, volle Konzentration, voller Einsatz den ganzen Tag über. Die Kids wollen nicht nur dabei sein sie wollen auch ins Finale kommen. Ständig puschen sie sich gegenseitig auf. Eine Choreographie dauert etwas über zwei Minuten. Die Tochter wird mit vier Choreographien dabei sein. Was in einer dieser Choreographie an Anstrengung steckt, vergleiche ich gerne mit einem 500 Meter Sprint. Die ganze Konzentration und Kraft steckt in diesem einzigen Lauf. Beim Tanzen aber geht es nicht um Schnelligkeit sondern um Genauigkeit und Gleichmäßigkeit. Und wenn die nicht passt – zurück an den Start und noch einmal volle Power – es sind die letzten Vorbereitungen für den Wettbewerb.

 

VORTSETZUNG FOLGT IN KÜRZE

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